Jacques Loussier
Musik, die einen findet I – the best of Bach

Keine Lust auf Barockmusik und Bach? Keine Lust auf Jazz, der nicht hineingeht? Aber da muss noch irgendetwas dazwischen sein, das nicht auf die gängige Popmusik zurückzuführen ist. Warum bekennt sich eine Band wie Subway to Sally zu den musikalischen Wurzeln Bachs? Was die 70er Jahre mit dem Classic Rock und Colosseum, Sky, Emerson, Lake & Palmer und John Lord hatten, brachten die 80er mit dem aalglatt arrangierten Orchestersound von V.S.O.P (Christian Kolonovits war der Schuldige) und Nachahmern. Was ist also an der E-Musik dran, dass man sie in der U-Musik nicht totschweigen kann? Ein Fakt, mit dem sich der französische Pianist Jacques Loussier sein Leben lang auseinander gesetzt hat. 1934 geboren, fing er als 25jähriger an, Bachs Werke in den modernen Sound des Jazztrios zu übertragen. Und bereits Ende der 60er Jahre war er damit auf der ganzen Welt erfolgreich. Bach lässt ihn sein ganzes Leben nicht mehr los – neben Eigenkompositionen, künstlerischen Schaffenspausen und Umbesetzungen seines legendären "Play Bach Trios" bleibt die 1750 gestorbene Leipziger Lokalgröße (denn mehr war Bach zu seiner Zeit nicht geworden) seine musikalische Identifikationsfigur. Bach wäre heute ein Jazzmusiker – er improvisierte schon damals in einer Qualität, über die man heute staunen würde – könnte man sie hören J!

Als "Einstiegsdroge" für diese "Jazz meets Barock"- Musik erscheint mir das Werk "Jacques Loussier – The best of Bach" (Label: Start, erhältlich bei www.lion.cc) höchst geeignet. Loussier bearbeitet auf den 14 Tracks eine Vielzahl großer Ohrwürmer des Meisters: Die Toccata in d-Moll, ein Stück, das ältere Semester in den 80er Jahren als Soundtracks vieler C64-Spiele heimgesucht hat, ein absoluter Evergreen unter der Kirchenmusik, verlässt hier ihre heilige Halle und die nachfolgende Fuge gerät unter den Fingern des Franzosen und seinem Trio zu einem ungemein swingenden Track feinster Jazzimprovisation. Die Air, eine Melodie, vor der nicht einmal Sweetbox mit "Everything’s gonna be alright" halt machen konnten, ist ja an und für sich unsterblich – Loussier fügt ihr jedoch noch das letzte Tröpfchen Laidbackfeeling hinzu. Und bei "Jesus, Joy of man’s desiring" kann nur noch der reine Hörgenuss und sonst nichts empfohlen werden. Ein Album, das Genießern schöner Lines, Liebhabern von unaufdringlichem, aber feinen Jazz, Einsteigern in die Barockmusik gleichermaßen ans Musikerherz gelegt werden kann.
Außerdem eignet sich "The best of Bach" noch für diejenigen unter uns, die nur Geld für eine Cd ausgeben, aber Barockes und Jazz im Vorzeigeregal stehen haben wollen ;-)
(wolfgang radl)


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