Woven Hand
Woven Hand
(Glitterhouse / Hoanzl)

Fast alles Große auf Erden hat irgendwie mit Verzweiflung zu tun. David Eugene Edwards, normalerweise leidenschaftlicher Sänger, Gittarist, Akkordeonist und Songwriter der /großen/ 16 Horsepower, jetzt solo „Woven Hand“, bezieht alles Große auf Erden auf einen großen Vater, seinen christlichen Gott. Und verzweifelt dennoch.
Vielen, die an der Musik seiner Band Gefallen finden, sind seine gottesfürchtigen Texte suspekt, ein Mysterium. Auch seinen Bandkollegen von 16 Horsepower, die in Interviews immer wieder beteuern, dass es Davids und nicht ihre Lyrics seinen, die der schlaksige Sänger da inbrünstig von sich gibt. Immer wieder hatte es ob dieser bandinternen spirituellen Dispute Gerüchte über eine Auflösung von 16 Horsepower gegeben – erst recht als bekannt wurde, dass Edwards mit „Woven Hand“ ein Solo-Projekt starten wolle. Diese Gerüchte sind mittlerweile vorerst vom Tisch (16 HP haben für Jahresende ein neues Album angekündigt), und Edwards hat mit dem titellosen Erstling seiner Woven Hand ein wunderbares Debüt vorgelegt. Pathetischer Folk-Rock mit Gitarre, Banjo, Mandoline und allerlei ausgefallenem Instrumentarium. Also nicht unähnlich dem, was Edwards mit 16 Horsepower sonst so von sich gibt, nur ruhiger, weniger intensiv und noch persönlicher in den Texten. „I am nothing without his ghost within“, stellt er im Opener „The Good Hand“ inhaltlich alles klar – und demonstriert gleich auch seine lyrische Songwriter-Gabe. Gottgegeben – meinetwegen. Wie Nick Cave, überhaupt sein Bruder im Geiste, singt auch David Eugene Edwards vom Verzweifeln im und am Diesseits, von Moral, vom morbiden Leben. Und von der Hoffnung.
Beruhigend irgendwie, auch wenn man mit Edwards zentraler Message eher wenig anfangen kann.
(web) 8

Auf den ersten Blick erscheint der Name Woven Hand recht kryptisch und einschlägigen Rock-Lexika höchst unbekannt. Doch schon der Opener gleichnamigen Albums läßt sofort ein erfreutes Deja Vu Gefühl aufkommen - und richtig, "The Good Hand" erinnert eindeutig an die kultigen 16 Horsepower. Bald läßt es sich dann auch nicht mehr verleugnen, hinter der Gruppe Woven Hand verbirgt sich kein anderer als Horsepower Mastermind David Eugene Edwards. Nach Secret South, dem ersten Werk für Glitterhouse aus dem 2000er Jahr, der Nachfolgeproduktion Hoarse, ein Live-Album von 2001 sowie ausgedehnten Tourneen mit unzähligen Club- und Festival-Gigs, entschlossen sich die Mitglieder von 16 Horsepower der Band und sich selbst eine Pause zu gönnen. Während sich Jean-Yves Tola verstärkt seiner Pferdezucht widmet, hatte und hat Edwards Ideen im Überfluß, die dringend einer Plattform bedürfen. Der Schritt zur Gründung von Woven Hand ist also nur die logische Konsequenz seiner Ventilsuche. Mehr als nur ein Seitensprung, lebt Woven Hand von den gleichen brillanten Zutaten, die auch die exzentrische Qualität der 16 Horsepower ausmacht. Zehn Songs, die vor grandiosen Harmonien und verzauberten Melodien nur so strotzen. Auch hier dominiert der kraftvolle Country-Rock Mix mit seinem leicht morbiden Touch, eine Palette von Folk bis zum Blues, angereichert mit indianischem und keltischem Liedgut. Da anzunehmen ist, daß Woven Hand eine ähnlich geballte Ladung Energie wie die Mutter-Combo auf die die Bühne zu bringen vermag, darf man auf die Konzert-Tournee im April/Mai gespannt sein. Entwarnung für alle Horsepower Fans ist auch geboten, die Band war nämlich im Studio und hat für den späten Mai ihr neues Album terminisiert. Die Möglichkeit auf doch mindestens zwei Hochzeiten tanzen zu können, läßt also beim mahnenden Prediger Edwards keine größeren Probleme aufkommen. (space cap)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.