Dan Bern
Fleeting Days
(Cooking Vinyl)

Mit seinem zweiten Album auf Cooking Vinyl, dem Auffanglabel der zu Unrecht Verstoßenen, dürfte Dan Bern wohl endlich die ihm gebührende Aufmerksamkeit finden. Drei Veröffentlichungen, inklusive des Debüts Dan Bern (1997) dauert es, bis dem bitterbösen Lyriker 2001 mit New American Language und eben auf neuem Label der wohlverdiente Durchbruch gelingt. Fleeting Days, wieder mit seiner Band The International Jewish Banking Conspiracy eingespielt und erneut von Tastenmann Wil Masisak produziert, vereint alle Vorzüge des genialen Songschreibers. Zwischen Bob Dylan und Elvis Costello angelegt, reicht die Bandbreite des intellektuellen Konzeptes von Schärfe und Bissigkeit bis Warmherzigkeit und Versöhnung. In seinen fast 400 Titel umfassenden Repertoire geht es um Glaube, Liebe, Sex, Pop, Identität und Politik, um die Entwicklung eines Standpunktes, einfach um all das, was wir unter Kultur verstehen und als Alltag leben. Obwohl selbst jüdischer Abstammung, findet sich in Bern einer der wortgewaltigsten Kritiker israelischer und amerikanischer „right wing politics“. Noch spielerischer als auf den Vorgänger-Alben befleißigt sich der Rootsrocker, nicht unabsichtlich natürlich, Dylanscher Diktion, ohne dabei jemals die eigenen Charakteristika in den Hintergrund zu stellen. Dank des ausgeprägten Sinn für Humor und einer gehörigen Portion Selbstironie sterben die Songs nie in Wehmut sondern erfreuen sich der allgegenwärtigen Leichtigkeit des Seins. Diese Eigenschaften zusammengenommen machen Bern zum kritischen Beobachter aktueller Zeitgeschichte und juvenilen Botschafter des Greenwich Village der frühen 60er Jahre.
(space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.