Nazareth
Homecoming
(Eagle Records/Edel)

Yes
Talk
(Eagle Records/Ede)

Mit alten Meistern beschäftigen sich zwei Releases der Edel Company. Zum einen eine Reissue der großartigen Yes und deren Album Talk aus der Spätphase der Band 1994. Zum anderen ein brandneues auch als DVD erhältliches Live Album der schottischen Nazareth, aufgenommen im <George> in Glasgow. Eher eine Greatest-Hits Ausgabe, enthält das Werk Songs wie den überragenden Schmachtfetzen "Love Hurts" oder die aus dem 1973er Album Razamanaz ausgekoppelten Top-Hits "Broken Down Angel" und "Bad Bad Boy". "Hair Of The Dog" aus dem gleichnamigen 75er Album sowie kleinere Single-Hits wie u.a. "My White Bicycle" oder das bekannte "Dream On" komplettieren die interessante Live Werkschau. Aus der 1969 nahe Edinburgh gegründeten Urbesetzung steht neben dem ausdrucksstarken Frontmann Dan McCafferty nur noch Bassist Pete Agnew auf der Bühne. Den im April 1999 verstorbenen Drummer Darrell Sweet ersetzt Agnew's 31jähriger Sohn Lee, Gitarrist Jimmy Murrison und der schon mit Stone The Crows oder Van Morrison gearbeitete Ronnie Leahy ergänzen das Team. Mit ihrem sauber gespielten konventionellen Hardrock gehören Nazareth noch lange nicht zum alten Eisen und Homecoming sollte in keinem Fan-Archiv fehlen.
Ganz anders geartet dagegen der Sound der Londoner Gruppe Yes mit ihren komplexen, dramatisch strukturierten Songs in verschwenderischen Arrangements. 1968 gegründet, dominiert Jon Anderson's Falsettstimme die schwelgerischen Orgel-und Synthesizerklänge einer genau konzipierten Klassik/Rock-Mischung von präzis kalkuliertem Perfektionismus. Das 94er Album Talk ist ein Spätwerk der Gruppe, die sich gerade zwei Jahre zuvor 1992 nach verschiedensten Umbesetzungen und Spaltung in zwei Fraktionen wieder als einheitliche Band präsentiert und aus Anderson, Chris Squire (bass,voc), Tony Kaye (organ), Alan White (drums) und Trevor Rabin (guit,keyb,voc,progr), also der eigentlichen Urbesetzung, besteht. Rabin fungiert auf Talk zusätzlich auch als Produzent.Das Album kann als typisches Beispiel des Versuches von Yes, den aufkommenden Hardrock (Nazareth) Anfang der 70er Jahre eine Alternative entgegenzusetzen, gesehen werden. Dank seiner komplexen Technik, den weitläufigen, artistischen Melodieführungen und einem kunstvollen, detailfreudig inszenierten Sound ist Talk vorbildhaft für gehobene, niveauvolle Popmusik und zeitlos wie alle Yes-Produktionen. In ihrer Gegensätzlichkeit verdeutlichen beide Alben die Entwicklung der Rockmusik von ihren rudimentären Anfängen bis zur heutigen technischen Perfektion.
(space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

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