Adolf Noise
Wo die Rammelwolle fliegt
(Buback/Ixthuluh)


Musik von Spielkindern, für Spielkinder. Das umreist im Groben das Konzept von Adolf Noise alias DJ Koze alias Stefan Kozalla alias Hans Dampf in allen Gassen. Nach zwei im engen Kreise äußerst verehrten EPs folgt mit "Wo die Rammelwolle fliegt" nun das erste vollständige Album.

Adolf Noise, das heißt Freude am Detail. Sicher versteckt in mal mehr mal weniger durch Songstruktur auffällig werdende Ambient-Bonbons, geben sich kurz vor Mitternacht Gunter Gabriel, Amerikas funniest sound effects und Stress ausstrahlende Bäume die Klinke in die Hand.

Wer damit jetzt aber so rein gar nichts anfangen kann, den bestraft vermutlich so schnell niemand. Dafür wird einem aber vielleicht nachgesagt werden, eines der außergewöhnlichsten Projekte aus deutschen Electrolanden schlicht und ergreifend ignoriert zu haben. Und das ist ja nun wirklich nichts, was man auf seinen Grabstein gemeißelt sehen will.

"Wo die Rammelwolle fliegt", soviel muss bei aller Lobhudelei auch festgestellt werden, ist die bisher in sich unschlüssigste, da ein wenig lieblos zusammengestückelt wirkende, Adolf Noise Platte. "Deine Reime sind Schweine" hatte den Max Goldt Bonus, "Wunden S. Beine offen" lieferte einst den Soundtrack für jede Opium-Höhle zwischen Bad Aussee und Peking - das da ein Tocotronic-Remix automatisch abfällt ist klar.

Nichtsdestotrotz darf Herrn Kozalla gratuliert werden. Wenn schon nicht zu einem durchgängig plausiblen Album, dann doch zumindest zur Single des Jahres, bringt die gesellschaftliche Befindlichkeit 2005 doch kein anderer Song besser auf den Punkt als das aus Funk und Fernsehen längst bekannte "Zuviel Zeit?". Ja, bitte.

Nicolas Ossberger