VNV Nation
Matter + Form
(Anachron S)


Die Geister dürfen sich wieder einmal scheiden, denn VNV Nation haben nach drei Jahren Wartezeit ein neues Album aus den Ärmeln geschüttelt. Das mag die Future-Pop-Gemeinde freuen, allen anderen die Haare zu Berge stehen lassen, nüchtern betrachtet handelt es sich bei "Matter + Form" jedoch um das bisher abwechslungsreichste Album des Englisch-Irischen Duos.

Bekehren wird ihr mittlerweile fünftes Studiowerk zwar weder auf der einen noch der anderen Seite jemanden, bisher Unentschlossene könnten hier jedoch durchaus ein paar Rosinen zum Herauspicken finden. Was vor allem daran liegt, dass VNV Nation auf "Matter + Form" den handelsüblichen Weiberelectro-Parcours mehrfach hinter sich lassen um in mal mehr mal weniger ansprechende Gefilde aufzubrechen.

Wo "Chrome", Track #1 und erste Single-Auskoppelung, noch in altbekannter passiv-aggressive Manier vor sich hin ballert und auch das folgende "Arena" alle Versatzstücke eines klassischen VNV Nation Songs besitzt, wartet das Album danach mit gleich drei aneinanderfolgenden Instrumental-Tracks auf. Während ersterer als harmloser Feldversuch in Sachen Ambient sofort ad acta gelegt werden darf, zeigen "Strata" und "Interceptor" schon eher wohin die Reise wirklich geht.

Technoider Sound der vor zehn Jahren an anderer Stelle nicht ganz unhip war, bildet 2005 die Grundlage für den Sound von VNV Nation. Ein Trend der sich danach auch auf die weiteren Vocal-Tracks ausweitet, rockt "Entropy" doch beispielsweise beachtlich. Als versöhnlichen Abschluss für die eigentliche Zielgruppe gibt es mit "Homeward", "Perpetual" und "Endless Skies" noch drei Standardwerke, die ihren Effekt sicherlich nicht verfehlen werden.

Nicolas Ossberger