Stone Temple Pilots
Shangri-La Dee Da
(Atlantic/Warner)

Leicht haben es einem die Vier aus dem kalifornischen San Diego noch nie gemacht. Schon als Dean De Leo (g.), Robert De Leo (b.), Eric Kretz (dr.) und Scott Weiland (voc.) noch unter dem Namen Stone Temple´s Pussy mit ihrem etwas holprigen aber dynamischen Hardcore Punk-Rock durch Südkalifornien touren, scheiden sich die Geister an den provokanten Chaps. 1990 tauft man sich in Stone Temple Pilots um, gewinnt Brendan O´Brian (Red Hot Chili Peppers) als Produzenten und mit Core, einem aggressiven vom Hardrock der 70er beinflußten Album, gelingt ein aufsehenerregendes aber zwiespältiges Debut. Die Meinungen schwanken von totaler Begeisterung zu bösen Kritiken, die gar Musik ohne Sinn und Verstand erkennen wollen. Die Verkaufszahlen mit über drei Millionen abgesetzten Alben sprechen allerdings eine eigene Sprache. Mit dem zweiten Werk Purple wird dieser Erfolg sogar noch übertroffen, aber diesmal glaubt die Kritik Plagiat bei Alice In Chains und Nirvana auszumachen. Weilands Drogenprobleme tragen auch nicht zur Stabilität bei. Als 1996 deswegen verschiedene Konzerte abgesagt werden müssen und die LP Songs From The Vatican Gift Shop nicht den Erwartungen entspricht, scheint ein Ende des Quartetts unabdingbar. Doch nicht so die Pilots. Mit No.4 springt man vom sinkenden Schiff und neue Stabilität und Schaffenskraft stehen ins Haus. Die grandiose Folge: Shangri-La Dee Da, das fünfte Album. Da präsentiert sich die Band von ihrer besten Seite und verzaubert mit sprödem Charme und musikalischer Vielfalt wie noch nie. Noch krachend bissig mit "Dumb Love" geht es los und man ahnt schon Schlimmes, doch "Days Of The Week" läßt sanftere Töne anklingen. Und siehe da, ab "Wonderful", welch Omen, haben die Pilots ihre Linie gefunden, klingen manchmal wie eine moderne Version der genialen Moby Grape aus den Sechzigern, und der Sound schwingt sich auf zu grandiosen Höhen. Eine Perle reiht sich an die andere und macht das Album zu einer kompletten Einheit, wieder herrlich geführt vom Produzenten Brendan O´Brian. Songs wie "Hello It´s Late" oder "Bi-Polar Bear" entschädigen dann für alle einstige Unbill und zeigen, daß mit den Pilots allen Widersprüchlichkeiten und anderen Meldungen zum Trotz ganz große Könner am Werk sind.
(space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

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