Peter Murphy
aLive just for Love
(Metropolis Records)

Die "Unplugged" Sensation des Sommers: Ex-Bauhaus Fromtman Peter Murphy, der Mann mit der markanten Augenbraue, veröffentlicht sein 8. Soloalbum. Das, an sich, wäre noch nichts besonderes, jedoch handelt es sich bei dem Release um einen als Doppel-Cd angelegten Live-Mitschnitt.

Das Trio: Peter Murphy (an der 12string) unternimmt mit Peter DeStefano (Gitarre) und Hugh Marsh (Violine) eine äußerst ambitionierte >tour de force< in seine eigene Bandvergangenheit. Das Oeuvre entspricht in etwa der erfolgreichen "Wild Birds" Tour von 2000, nur diesmal wurden die Klassiker wie>Indigo Eyes, All Night Long, Subway< und >Cuts you up< entschlackt, gereinigt und auf das wesentliche reduziert.: Die Musik und den Gesang. Der frenetische Jubel, der ab und zu das Hörvergnügen beeinträchtigt, ist durchaus angebracht auf einer Live-CD dieses Ausmaßes.

Die Location: Das >El Rey Theater< in L.A. ist akkustisch sowas wie ein Glücksfall für eine optimale Aussteuerung und – seien wir uns ehrlich – ein Livemitschnitt dieser Qualität wäre selbst in den 1990ern noch ein kühnes Unterfangen gewesen. Heute ist das alles kein Problem mehr und so hören wir einen Originalmitschnitt des Konzerts in der richtigen Reihenfolge, die Pausen dazwischen, so verrät uns das Booklet, sind auch nicht gekürzt worden. Also zurücklehnen und die Ausführungen des Trios in voller Länge genießen.

Die erste CD enthält den kompletten Gig bis hin zum Applaus vor der Zugabe. Diese befindet sich auf einer zweiten Silberscheibe, "Midnight Encore", die als Bonus-CD beiliegt.

Zweierlei ist somit bewiesen: Peter Murphys Musik ist zeitlos, hat Bestand (und wie!) und trotzt allen zwanghaften Kräften des Mainstreams erfolgreich . Zweitens: Seine Songs sind fabelhafte harmonische Kompositionen, die auch live und "unplugged" soviel Freude und schöngeistige Lyrik verbreiten, daß das Publikum bei manchen Passagen vor lauter Schwärmerei förmlich außer Rand und Band gerät. Romantik wird hier noch ganz groß geschrieben und wer Murphys exaltierte Stimme schätzt, wird voll auf seine Rechnung kommen. Die Darbietung ist schlichtweg bestechend, selten ist es so gut gelungen, eine Quintessenz zu destillieren, die die ursprüngliche Athmospäre noch vertieft. Zartbitter, melancholisch und ein bißchen düster, so klar und transparent wie noch nie.

Schön, daß es ihn noch gibt, noch schöner, daß er, man hört es ganz deutlich, zumindest in den USA, viele Fans hat, die Murphy, den Anbetungswürdigen, auch zu huldigen wissen.

Die zweite, Bonus-CD: Bei einigen dieser >unplugged–sessions< kam EX-Bauhaus Mitglied David J. auf die Bühne ,bei diesen "Midnight Encore"-Takes wurden dann "Who Killed Mr. Moonlight", "Hope" und "All We Ever Wanted" aufgenommen. Diese drei Songs (besonders bei >All We Ever ...< prickelt spätestens nach dem dritten Takt die Gänsehaut wohlig) stehen stellvertretend für Murphys gesamte Bauhaus Periode, offenbar wollte man die Fans der alten Tage nicht enttäuschen. Als 4. Track schließlich findet sich eine recht freie, improvisierte Version Elvis‘ >Love me tender<.

Peter Murphy ist ein alter Profi, seit 1984, in diesem Jahr löste er die Wave-Kultband >Bauhaus< auf und gründete >Dalis Car< (wer erinnert sich?), arbeitete er unaufhörlich an seiner Solokarriere. Vorbei sind die drogenlastigen 80er, die temposüchtigen 90er, mit dem Alter kam die Reife und das schadet den Songs keineswegs.

Empfohlen allen romantischen Geistern, alten wie neuen "Gruftis" und allen Menschen, die englische Lyrik zu schätzen wissen und anspruchsvolle Musik lieber haben als den nervtötenden, Kreativität verneinenden Einheitsbrei der Radiostationen.
(ernstl)

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