Kelly Joe Phelps
Sky Like A Broken Clock
(Ryko/ Zomba)

Wer die musikalische Metamorphose eines Ausnahmekünstlers in all seinen Facetten nachvollziehen möchte findet in den vier bisher erschienenen Werken des Kelly Joe Phelps ausreichende Möglichkeit und interessante Anregung. Denn der Werdegang vom Debüt Lead Me On (1994) bis zum jetzt veröffentlichten Sky Like A Broken Clock liest sich wie die verschlungenen Traumpfade australischer Aborigines. Lassen doch die ersten beiden Alben, neben dem oben erwähnten auch das 1997er Roll Away The Stone, Rückschlüsse auf den über fünfzehn Jahre währenden Gitarrenlehrer mit all seinen Tricks und Finessen samt seiner Vorliebe für traditionelles Material a la Blind Lemon Jefferson und Skip James deutlich durchscheinen. Da verklingt die Gitarre im Ansatz, kostet ein angespieltes Thema lange aus um dann weiterführend dem Song endgültige Gestalt einzuhauchen. Schon hier beeindruckend, das ständige an die Grenzen des Genres Vorstoßen, mit experimentellen Slide-Guitar und Fingerpicking Ausflügen in ungezügelter Virtuosität. Da wird dann deutlich, daß Phelps ursprünglich aus der Jazzscene des amerikanischen Nordwestens kommt während die Protagonisten seiner Geschichten Hobos und alte Männer in Rocking Chairs dem Blues unverfälschtes Leben schenken.
Behutsam steigt dann step by step der neue Kelly Joe mit seiner dritten Wanderung Shined Eye Mister Zen in andere Sphären ein. Auf das erste Ohr bleibt zwar alles beim alten, aber genaues Hineinhören und in sich Schauen wirft ein langsames Licht auf kommende Zeiten. Die Musik wird memorabler, die Instrumentierung noch variabler und zeigt im Kontent wahre layed-back Stimmung mit dem unvergessenen Leadbelly-Klassiker "Goodnight Irene" auf den Höhepunkt gebracht.
Bittersüß führt uns Irene zum vorläufigen Masterpiece des Barden. Schon der Blick auf die list of names läßt Außerordentliches erahnen. Kein geringerer als der große Meister des Nashville Country/Rockabilly und Reefer Man Steve Earle zeigt sich als Produzent verantwortlich. Hat der Texaner schon mit der Leitung des aktuellen Ron Sexsmith Albums Blue Boy erstaunliches Fingerspitzengefühl bewiesen, zeigt er in kongenialer Zusammenarbeit mit Phelps was für Produzentenhöhen er zu erklimmen vermag. Welche musikalischen Gestade nun angesteuert werden belegt die kreative Unterstützung von Larry Taylor (Tom Waits) am String Bass und der nach dem Tod Mark Sandmanns von Morphine immer am rechten Platz (G.Love & Special Sauce) drummende Billy Conway. So kommt auch die fein gewobene Nähe zu beiden Bands nicht von ungefähr. Neonlichtige Down Town-Halbwelt gemischt mit innovativer in sich ruhender Experimentierfreude ergeben in Summe die außerordentliche Brillianz dieses Albums. Akustischer Gitarrenblues vom Taktgeber Phelps mit eklektischen Schattierungen zur Koda geführt, nur um dort angelangt noch höhere unberührte Gipfel zu bezwingen. Bar jeglicher Overdubs, live eingespielt, öffnen sich bisher verschlossene Türen die den traditionellen Blues in neuem Licht erscheinen lassen. Und nicht nur das, auch Phelps schon immer beseelte Lyrik überzeugt durch klare Worte, die frei von Phrasen sind. Ein Album, gleich einem Fahrstuhl der aus unterirdischen zerbrochenen Kellerräumen in eine reine von lichter Sonne erhellte Aura führt.
(space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.