Chuck Prophet
No Other Love
Blue Rose/Hoanzl


Mit Green On Red lieferte Chuck Prophet seit Mitte der 80er Jahre Americana der allerfeinsten Sorte. Pathetisch und traurig auf den Spuren eines Neil Young oder Gram Parsons. In einer Zeit aufkeimender Alternative-Country/No-Depression Scene wird der vom Westcoast Country und Blues infizierte Roots-Rock schnell von Gruppen wie Son Volt und Wilco aufgegriffen. Nun das fünfte Album des Kaliforniers, der schon Legenden wie Al Kooper zu seinen Studiogästen zählen konnte. Kontrastiert von Licht und Schatten sein Gesicht auf dem Cover als Allegorie zu Struktur und Chatwin´schen Songlines. Die führen mit dem Opener "What Can You Tell Me" aphrodisierend explosiv und gefühlvoll in genau abgestecktes Territorium. "After The Rain" beseitigt alle Zweifel, in trockenem Country-Duett mit Dauerpartnerin Stephanie Finch geht es konsequent in Richtung Roots Rock-Erneuerung. Bobbie Gentry´s "Ode To Billy Joe"-Thema beim Intro von "I Bow Down And Pray To Every Woman I See" zeigt Prophet nicht nur als technisch versierten Gitarristen, der sich mit lässig-eleganter Intonierungen fremder Spielweisen beschäftigt, sondern der vielmehr die Fähigkeit besitzt mit coolen, knappen, fiebrigen Riffs und Soli aus jedem guten Song einen noch besseren machen zu können. Etwas dünnere Luft zu Mitte des Albums wird durch die opulente Streicherballade und Titletrack "No Other Love" in rechte Bahnen gerückt. Wenn sich der Meister dann mit der pubertierenden Highschool Hymne "Elouise" wieder aufs knarzige Riff-Parkett begibt, hat er back zu seinen Roots gefunden. Die logische Folge der westernlastige Knaller "That´s How Much I Need Your Love" beschreibt den ewig unerfüllten Traum des Musikers mal ein Cadillac zu sein. "Summertime Thing" wird zum California Dream von heißen sonnigen Tagen, genügend Geld auf der Bank und Beach Boys auf dem Plattenteller - eine Reminiszenz an gute alte Woodstock Tage. Wer den Blues zwischen Steve Miller und Jerry Garcia hat, kann auch erzählen was den Affen zum Tanzen bringt, "What Makes The Monkey Dance". Passend zum Finale wird alter Freunde und Helden gedacht. Deren einen Chuck sicher genügend hat und zum anderen er mit No Other Love nun endgültig geworden ist. Ein rundes überdurchschnittliches Album, das trotz hohen Niveaus auch noch Raum für Steigerungen übrig läßt.
(space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.