Perry Farrell
Song Yet To Be Sung
(Virgin)

Will man den ganz persönlichen Reife- und Entwicklungsprozeß eines innovativen Vollblutmusikers verfolgen, bietet die 3-Stufenrakete des Perry Farrell ein vorzügliches Studienobjekt. Ganz deutlich zeigen sich da die dank chemischer Fremdkörperrevolution beeinflußten Kunstmomente, um dann später zu verdeutlichen, wie sich Musik bei körpereigenen Chemieprozessen zu wandeln mag.
Eine Dekade musikalischen Schaffens, in der aus dem Rufer in der Wüste, ein Trompeter der Oase geworden ist. Genialsimple Surfs eines Brian Wilson wandeln sich zu technischen Sandverwehungen. Aus der engagierten Experimentierphase von Ritual De Lo Habitual (Janes Addiction, 1990) über die abgespacte Timothy Leary Acidphase mit Porno For Pyros und der Organisation des einzigartigen Lollapalooza-Festival, Mitte der 90er, schließt Farrell mit seinem Solo Debut den Kreis eigener Erfahrungen, leicht nachvollziehbar für jeden offenen Herzens und Ohres. Wobei es ihm aber immer gelingt, eine kleine geometrische Öffnung zu zelebrieren, die wieder Freiräume und neue Kreise erfindungsreicher Aktionen ermöglicht.
Mit Song Yet To Be Sung vollzieht Farrell eine fast gänzliche Abkehr bisheriger charakteristischer Kennzeichen. Von Krish Sharma (Crystal Method, Filter, Sugar Ray), Marius De Vries (Björk) und Mad Professor elegant geführt, werden aus einst pulsierendem Gitarrensound mitreißende Dance- Rhythmen, weltmusikalische Jungle-Grooves und federnde Reggae-Vibes. Und um auch ja seine Inspiration nicht vergessen zu lassen immer wieder fernöstliche Tribal-Elemente, die Verinnerlichung des Meisters bezeugend. Schon der Opener "Happy Birthday Jubilee" weist den Weg, den Farrell zu gehen entschieden hat, um auch gleich mit dem Titelsong groovend ins Volle zu greifen. Sicher eines der Highlights, das an Brian Wilsons Pet Sound Genialität erinnernde mit verspielter Leichtigkeit dahinfließende "Shekina". Leichte Schwächen werden dann wieder von Songs wie dem poplastigen "Say Something" übertüncht, bei dem es Farrell gelingt all sein kompositorisches Einfühlungsvermögen und Feingefühl gekonnt einzubringen. Das mit seinen rollenden Bass Beats und orientalisch verschleppend Reggaefeeling aufkommen lassende "King Z" und der Voodoo Trancer "Nua Nua" sind dann nur noch die fehlenden Tüpfelchen auf dem i, eines durch seine abwechslungsreichen Sequenzen und vielseitigem Programming immer spannenden Albums. Mit entsprechender Um- und Weitsicht ist auch der Schritt von Rock zu Tech-House ein kleiner, und somit auch glaubhaft praktizierbar. Happy Birthday Jubilee.
(space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.