Human League
Secrets
(Papillon via Roadrunner)

Eindeutig in die Kategorie "So vermiese ich mir mein nostalgisches Empfinden" gehört der Erwerb dieses Tonträgers. Warum darf man nicht mehr spätabends zuhause vor der geliebten Anlage sitzen und mit feuchten Augen schwarze Scheiben längst vergangener Tage hören? Nicht mehr an die "good old days" zurückdenken?

Weil sich heute alle möglichen Herrschaften wieder zusammentun um sich nach längerer Pause (manchmal auch "Reunion” genannt) ärgerlicherweise brutal ins Wahrnehumgsfeld der Fans zu drängen. Damit wird auch die Nostalgie überflüssig, geraten geniale alte Alben immer mehr in Vergessenheit. Denn die Rechnung der Labelbosse, daß neue "Reunion”-Alben auch zum Kauf des Backorder-Angebotes anregt, wird wohl nicht aufgehen.

Human League zählen im Jahre 2001 so wie New Order oder Soft Cell zu einer langen Kette bestehend aus gehypten Reunions, Re-Releases und anderer Marketingschmähs. Ihr nicht ganz 40 Minütiges Promotion-Playback-Debakel im Wiener U4 vergraulte hierorts auch noch den letzten Fan, trotzdem konnten es die meisten kaum erwarten, Philipp Oakeys geliebte Baritonstimme wieder zu hören.

Was wurde eigenltich aus all den anderen Synthpop-Heroen?
Heaven 17 brachten gänzlich unbemerkt von der Öffentlichkeit, "Bigger than America" 1997 in die Läden, ein gar nicht so übles Album übrigens und ziemlich politisch obendrein, New-Romatic Veteran John Foxx war gar schon 1995 mit "Shifting City" wieder da und bewies, daß er auch noch nach 15 Jahren auf fetzige Beats steht, wie üblich kombiniert mit vertraut düsterem Gesang, sehr gut !

Doch zurück zu Human League und ihren "Secrets": Der Zauber der Stimme verfliegt schon bald nach der ersten Nummer, die wohl die beste auf dem Album "Secrets” darstellt, der Rest der Scheibe klingt in etwa wie die schon oben zitierte "Bigger than America" von den Ex-Mitstreitern Heaven 17, die jedoch musikalisch wie inhaltlich besser ausfiel.

Der Albumtitel "Secrets" verspricht einiges, hält aber gar nichts.
Man kriegt was man erwartet. Schaumgebremsten Massenkommerz mit viel "Posing" aber ohne glaubhafte Attitüde. Außer dem vertrauten Italo-Techno plus Phils sonorem Bariton, holprigen Lyrics und zuviel herzerweichendem "Baby Baby" , wofür der Mann wahrscheinlich schon zu angegraut ist, ist hier nichts zu kriegen. Es sollte mich wirklich wundern, wenn soviel eigener Abklatsch neue Fans schaffen geschweige denn alte Fans bei der Stange halten könnte.

Keine Empfehlung. Lasen wir in Zukunft Mr Oakey zu Hause in Sheffield sein "ruhiges und zurückgezogenes" Leben führe und das Tandiemen Geld zählen, denn eigentlich hat er es laut Interview ja nicht mehr nötig, Musik zu machen. Und ich kann wieder meiner Nostalgie frönen und mit feuchten Augen supergeniale Human League Hits wie "Empire State Human", "Almost medieval", "Blind Youth" (alle auf Reproduction, 1979) oder "Black hit of space", "Crow and a Baby", "Toyota City" (ein alltime favourite) und WJXl Tonight" (alle auf Travleogue, 1980) hören.
(ernstl) 2 von 5

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.