Bob Dylan
The Ultimate Collection
Love And Theft
(Sony)

Mit gleich zwei Produktionen zeigt die einstige Leitfigur einer kritischen Jugend der 60er Jahre die Janusköpfigkeit seines immensen Schaffens. Zwei Werke, wie sie auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein können, bei genauerem Hinhören aber einen Kreis schließen der vor 40 Jahren, 1961, mit dem Besuch am Krankenbett eines seiner Vorbilder Woody Guthrie in New York beginnt. Als Robert Zimmermann ein Jahr später im August 1962 seinen Künstlernamen Bob Dylan (nach seinem Lieblingsschriftsteller Dylan Thomas) legalisieren läßt, ist der Grundstein für eine einzigartige Karriere gesetzt. In diese Anfangsphase des genialen Songwriters führt Disc 1 der Doppel-CD The Ultimate Collection. Mit "Blowin´ In the Wind" und "Don´t Think Twice" aus dem 63er The Freewheelin´ Bob Dylan gibt der Meister Einblicke in seine Sturm- und Drangzeit. Über "Mr. Tambourine Man", "Like A Rolling Stone" und das angerauchte "Rainy Day Woman # 12&35" geht es zum Ende des ersten Teils mit "Knocking On Heavens Door" aus Sam Peckinpah´s Western <Pat Garret And Billy The Kid> in dem Dylan 1973 eine Hauptrolle spielt. Discographisch geschickt gemacht, denn mit dem ersten Song von Disc 2 "Forever Young" aus dem 74er Album Planet Waves, seinem Einstand bei Asylum Records beginnt auch eine neue musikalische Phase des einstigen Protestsängers. Über die ergreifenden "Shelter From The Storm" (Blood On The Tracks, 1975) und "Hurricane" (Desire, 1976) findet mit "Things Have Changed" vom Wonder Boys Soundtrack (2000) das Album seinen gelungenen Ausklang. Fast 40 Jahre aus dem Schaffen des Songpoeten haben in der Ultimate Collection eine sinnige Würdigung zum 60. Geburtstag des Meisters gefunden.

Zurück zu seinen Roots und solch bluesbetonten Platten wie das 65er Highway 61 Revisited findet Dylan mit dem neuen Album Love And Theft. Gleich der Opener "Tweedle Dee & Tweedle Dum" bietet ein polterndes Spiegelbild dieser Zeit. In dieser Manier geht es weiter. Blonde On Blonde findet seine Würdigung in "Mississippi", bei dem jedem ob der großartigen Lyrics eine Aufbesserung der Englischkenntnisse angeraten sei. Mit dem dirty Rockabilly "Summer Days" zeigt Mr. Gemini sein zweites swingendes Gesicht. Ob von der Erfindung des alten Albert Hammond (gleichnamige Orgel) in "By And By", Dr. John läßt grüßen, musikalisch inspiriert, oder in stampfende Keith Richards Stones Grooves fallend ("Lonesome Day Blues") bis zum weißen Anzug mit roter Nelke im Knopfloch a la Leon Redbone, die Upperclass Damen von Ascot grüßend auf "Floater", ist dem Chamäleon Dylan kein Genre fremd. So gelingt es ihm und seiner illustren Begleitband auch in den nächsten Songs nicht nur Einblick in sein einzigartiges Musikverständnis und die lyrische Tiefe seiner Texte zu vermitteln sondern durch knisternd spürbare Präsenz eine immer spannende Tondichtung zu kreieren. Die findet dann in "Sugar Baby" ein finales dylonysisches Feuerwerk, verpackt in traute Schlichtheit von akustischer Gitarre und Akkordeon. Mit Love And Theft hat Dylan es geschafft sich selbst treu zu bleiben und dadurch alle Möglichkeiten für neue Klassiker offen gelassen. (space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.