KELIS
Wanderland
(Virgin)

Kelis im Wanderland

Rap, der moderne R’n’B oder wie immer man das nennt, hat ein Problem.
Es ist die Sparte, die für die Plattenindustrie am meisten Kohle abwirft.

Wohl sind 90% der Wertschöpfung über dem großen Teich anzusiedeln ( die beanspruchen sowieso auch den Rest der Welt). Und verständlicherweise werden dort die größten Bemühungen unternommen, in diesem Genre the next big thang zu finden. Doch nach sagen wir mal 10 Jahren full cash ( Will Smith war als Fresh Prince der erste Rapmillionär, remember? ) hat sich noch nicht viel in der Gesamtheit entwickelt. Ganz wenige schaffen es, aus dem abgestumpften Kreis der Ideenlosigkeit auszubrechen. Der besteht darin, dass die Strophe den Rap featured, der Refrain aber dann nicht ohne Hitsample oder geträllerter Melodie auskommt. Wie fühlt sich der Rap wohl, wenn er immer nur im Schlepptau zum aktuellen, schnell obsoleten Hit gerät?

Kelis Rogers hatte gute Erziehung. Sowohl Privatschule in der Upper East Side als auch das Elternhaus ließen sie früh zur Eigenständigkeit reifen. Saxofon der Pa, Soul die Ma waren die Einflüsse zu Hause und da war die fidele Funkzeit von Prince & Co wie auch der Rap auf den Straßen. Mit 13 begann sie zu Modeln "und machte immer so ein wenig Musik".

Hier ist er also nun, der Follow Up auf den bemerkenswerten Erstling "Kaleidoscope" der intelligenten Frohnatur aus Harlem. Den Bonus des First Sight – First Love kann sie nun nicht mehr nutzen, es geht auch deswegen deeper. Kelis bringts auf die Reihe und bleibt nicht stehen. Denn sie schafft die Durchbrechung der leidigen Schemata, kommt auch beim Rap ins Singen, breakt die Melodie, kommt mit einer toughen Bridge und es passt noch immer zusammen. Songwriting nennt man das. Und das hat die Begabte auf "Wanderland" selbst forciert, bringt viel Persönliches ein – klar ist die Liebe dabei – und hat auch sonst was zu sagen.
Pharrell Williams und Chad Hugo, als Produzenten die Neptunes, machten wieder den Rest, haben ihr das passende Umfeld geschaffen. Was ja auch sehr gut mit Jazzmatatazz` auf "Supa Lover" geklappt hatte. Eine Ode an die Star Wars Jugend findet sich ebenso wie ein kleines Meisterwerk - "Little Suzie" – das auf einem easy Latinflow an Marvin Gaye erinnern kann.
No Doubt (die selbst gerade ziemlich hängen, aber gerne überall mitmachen) oder Fieldy von den derben Korn geben auf "Perfect Day"ihre Zutaten zu, fügen sich aber wohltuend eher ein als eigene Stempel zu verteilen. Es bleibt Kelis.
Schließlich durfte sie auch für U2 auf deren Europa Tournee den Warm Up machen. Wo sie dann auch mit geballter Rockattitüde (nicht weiblich zu sehen) ihre eigene Sache erstaunlich gut mit vermehrter Gitarrenkraft und Frauenpower adaptieren konnte.
Die erste Single ist übrigens wieder ein Kracher geworden, "Young, Fresh & New" kommt mit mächtig aufgedubten Bässen und Funky Chords daher. Es ist so was wie Kelis´ Antwort auf die altkluge Umwelt: " Nah-nah-nah-nah. I`m 21, I`m happy, I´m doing exactly what I want, and who the fuck are you to tell me that I can`t?”.
Yes yes yo! Yo scho s right! Yo damn right!
Eine moderne Fabel, wie schon der Titel sagte eben.
(shorty) 8

http://www.kelis.com

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.