Smashing Pumpkins
Greatest Hits
(Hut Records)

Chicago 1988. Billy jobbt in einem Secondhand Plattenladen. So fangen viele Musikerkarrieren an. Eines Tages kommt James Iha (Gitarre) in den Laden, ein Gespräch entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit zu einer innigen Freundschaft und schon bald finden sich beide zu Probeaufnahmen ein. Drummer gibt es noch keinen und so wird ein Drumcomputer malträtiert, ein im "Rock" eigentlich verpöhntes Stilmittel, welches auch später immer wieder zum Einsatz kommen soll.

Die Bassistin D'Arcy Wretzky gabelt Billy irgendwo während eines Club Gigs auf und auch sie erliegt bald seiner charismatischen Persönlichkeit. Diese ist es ja auch, die dafür sorgen wird, daß sich die Pumpkins von anderen Genrebands abgrenzen werden. Um als Vorgruppe für Janes Addiction auftreten zu können, wird noch schnell Jimmy Chamberlin als full time drummer engagiert und schon ist man bereit, nach den Sternen zu greifen.

Billy Corgan hört nie auf Songs zu schreiben, bis zu 30 pro Tag oder auch manchmal mehr, sagt er. Er gönnt sich und seiner Band "Smashing Pumpkins" selbst in den immer viel zu kurzen Pausen während nie enden wollender Live-Touren keine Schonung. Laufend wird bestehendes Songmaterial verbessert, neues kommt hinzu, nichts, und schon gar nicht die Musik darf je Staub anlegen.

Selten zuvor hatte eine Band innerhalb so kurzer Zeit so viele grandiose Songs eingespielt, Alben produziert, Livekonzerte absolviert und war zum Publikumsliebling avanciert. Als Vorgruppe der "Peppers" oder "Pearl Jam" umjubelt, war es ein schneller Start, schneller, als die Pumpkins es sich selbst hätten träumen lassen. Der internationale Durchbruch gelingt mit dem zweiten Album, "Siamese Dream, 1993". Angesichts so genialer Songs wie "Today" und "Disarm" glaubten manche gar einen zweiten John Lennon gefunden zu haben. Grunge war schon lange out und die anspruchsvollen Kids waren von dem ewiggleichen Metal- und Stoner-Image der Konkurrenz-Bands schon richtiggehend paralysiert. Da kamen die Smashing Pumpkins gerade recht. Das Revolluzergehabe, die schnarrende Stimme Billy Corgans und das Vernachlässigen klassischer Rockmusik wie der ständige Kostüm-, Haartracht- und Maskenwechsel der Bandmitglieder paßte total in die Spätphase der Generation X. "Nirvana " waren gegangen, "Alice in Chains" vergessen und nichts sollte die Smashing Pumpkins mehr aufhalten. Paranois und Megalomanie kennzeichnen den pedantischen Bily Corgan. Er schreibt unaufhörlich Songs, kümmert sich nicht um Wiederholung oder daß manche Melodiebögen wie ein Muster immer und immer wieder in diversesten Pumpkins Songs auftauchen., sorgt das alles doch nur dafür, daß die Pumpkins einen eigenständigen, ,unverwechselbaren Sound definieren. Der ultrapräzise Drummer mit dem guten Feeling für Laid Back und komplexe "rolls" wird immer unentbehrlicher. Mit "Mellon Collie and the infinite sadness", 1994, setzt sich die Band ein überlebensgroßes Denkmal. 28 Songs umfaßt diese bombastisch aufgemachte Burleske, für viele Fans das beste Pumpkins Album überhaupt. Die Sterne des Ruhms sieht man schon am Cover, mit Hits wie "1979" "Zero" und "Tonight, Tonight", macht das Album 8mal Platin. Der Zenith ist erreicht, Corgans Produktiviät auf dem Höhepunkt und plötzlich läuft alles schief.

Der Drummer stirbt fast an einer Überdosis Heroin, die den Live-Keyboarder in den Tod reißt, die Band befindet sich bereits mitten in der "Mellon Collie Tour", die Stadien sind quasi schon gefüllt und ein Ersatz ist nicht leicht zu finden. " Filter" Drummer Matt Walker springt schließlich in die Bresche und bis 1997 wird dann "on the road" gespielt. Daß Billy Corgan da noch Zeit findet, für "Batman und Robin" ein paar Songs zu schreiben, grenzt fast schon an Zauberei. Die Songs fließen förmlich aus seinen Fingern und schon bald sieht "Adore" das Licht der Welt, 1998. Dieses intimste aller Pumpkins Alben sprudelt vor lauter Romantk über, Corgans schneidende Stimme haucht und flüstert, er selbst inzwischen zur Gothic-Ikone mutiert. Manchmal fühlt sich der erfahrene Hörer an "New Order" erinnert, manchmal an Robert Smith von "The Cure". Kritiker beginnen zu fragen: Wie lange noch? Wie viele Songs noch? Die Bandmitglieder gründen eigene Labels, James Iha nimmt ein gar nicht übles Soloalbum auf.

Daher nimmt es nicht Wunder, daß "Machina/The Machineries of God" von den Fans als das wahrgenommen wurde, was es war. Ein überproduziertes, dahingehudeltes Metal-Ripoff. Verloren ist die geheimnisvolle Aura des Frontman, der romantische Touch zerstört. Das Label verzögert sogar das Erscheinen der Platte. Es ist vorbei. Die Band löst sich bald danach auf.

Billy Corgan hört nie auf Songs zu schreiben. Seine schönsten sind auf der DoppelCD noch einmal als Retrospektive zusammengefaßt. Die Bonus-CD "Judas O Riley" ist der Nachfolger zu "Pisces Iscariot", 1994, enthält 10 (sic) unreleased tracks, outtakes, demos und footage aus den Jahren zwischen "Melon Collie" und "Machina" . Das Booklet dokumentiert zauberhaft und ausführlich die Bild-Geschichte einer Band, die es wie kaum eine Zweite verstand, der Generation X eine Identität zu verleihen, das Tempo, das sie dabei vorlegten, war exakt das der Fans, die Stimmungswechsel dieselben wie die der Fans, die beste aller möglichen Symbiosen.

Eine besondere Einladung die Berg- und Talbahnfahrt noch einmal mitzuerleben.
(ernstl)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

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