Spiritualized
Let It Come Down
(BMG)

Auch nach dem x-maligen Anhören von Let It Come Down fehlen mir die Worte um meine Eindrücke aufs Papier zu bringen. Nicht, daß mich das jüngste Werk des ex Spacemen 3 Jason Pierce sprachlos machen würde, es ist vielmehr die beeindruckend übersprudelnde Vielfältigkeit des J. Spaceman, die es so schwierig macht den richtigen Ton zu treffen. Da wird eine hypnotische Klangarchitektur geschaffen - dreidimensionale Formen in ihre musikalische Dichte annehmend. Schlichte Popsongs genial verpackt in monumental orchestrale Klangwände, die immer feines Gespür und Können durchscheinen lassen. Selbst der Einsatz sentimentaler Geigen, mächtiger Posaunen und lyrischer Gefühlsausbrüche sind gefeit vor dem Abgleiten in schnulzenhaftes Schlagertum. Schemenhafte Berührungen mit dem Dreigestirn des Pop-Olymp Brian Wilson, John Lennon und Brian Jones reiben sich mit Supertrampartigen Visionen versöhnlich die Hände. Das kann nur jemandem gelingen, der immer den Pfad klassischer Songwritertradition vor Augen hat. So entsteht ein unausweichliches Gefühl des freien Falls, begleitet von stetiger Reizüberflutung, nur um den mit atemberaubender Geschwindigkeit rasenden Rausch kurz vor dem Aufprall wieder unter Kontrolle zu bringen. Damit schafft dann auch die desillusionierende Songzeile >I can't stand falling no more< Raum für neue Hoffnung, die wie beim Helter Skelter auf jedes Tal einen Gipfel folgen läßt und alle Downs somit zum darauffolgenden positiven Up des Finales emporsteigen können.
(space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.