Steve Earle
Jerusalem
(Sony)
 
Es gibt es also doch noch, das andere Amerika. Die kritische, nicht vom Patriot Act zerfressene Stimme eiens paranoiden Präsidenten. Die Voice of America der Ginsberg´s, Kerouac´s, Cassady´s und Burrough´s. Hier musikalisch aufgearbeitet vom 47-jährigen Americana-Punk aus Fort Monroe in Texas. Steve Earle läßt keinen Zweifel über den politischen Background seines neuen Albums aufkommen; hier geht es um den American Way Of Life aktueller Gestalt. War schon die erste CD-Veröffentlichung in diesem Jahr Sidetracks mit ihrer Mischung aus Filmmusiken, Demos und bisher unveröffentlichten Stücken wie den Coverversionen von Nirvana´s "Breed" und "Time Has Come Today" von den Chambers Brothers hier im Duett mit Sheryl Crow außergewöhnlich, ist Jerusalem nicht minder hörenswert. Von seinem Langzeitwohnsitz Nashville beeinflußt, wohnen zwei Seelen in seiner Brust. Countrymusik und Rock, die Earle aber immer wieder auf einzigartige Weise zu verschmelzen weiß, wie auch seine Kooperationen mit Bob Dylan und Emmylou Harris bezeugen. Musikalisch eher ein Rockalbum, bestechen die teils vom R&B durchwirkten Songs des Aussteigers aus dem Kommerz einmal mehr durch angriffslustige Lyrics. Hier vor allem die differenzierte Betrachtungsweise der Story des US-amerikanischen Taliban John Walker Lindh im eindringlichen "John Walker´s Blues". Neben dem in ein Countryduett verpackten einzigen Lovesong "I Remember You" huldigt Earle schließlich seinen texanischen Roots mit dem Tex-Mex-Song "What´s A Simple Man To Do" und scheint nach ausgetretenen Drogenpfaden zu neuer kreativer Höchstform aufzuspielen.
(space captain)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.