Jackson Browne
The Naked Ride Home
(Warner)

In Zeiten in denen es anscheinend hip ist Albumkapazitäten auf ein Minimum zu reduzieren erfreut uns Jackson Browne mit fast 60 Minuten Spielzeit. Aber da der Mann sowohl musikalisch als auch textlich Mitteilungsbedürfnis hat, erscheinen selbst die viel zu kurz. Nach sechsjähriger Abstinenz präsentiert der rockende Songwriter auf dem aktuellen Werk die für ihn typische, in introvertierte, genau beobachtende Skizzen umgesetzte Poesie. Die früheren Kooperationen des in Heidelberg geborenen Anti-Stars lesen sich wie das Who is Who des Easy-Rock. Sie reichen von der Nitty Gritty Dirt Band (1966) über Nico (Velvet Underground), Tim Buckley, Glenn Frey (Eagles), Lowell George (Little Feat) bis zu den Doobie Brothers. Sein politisches Engagement untermauert der ambitionierte Freizeitpolitiker u.a. 1990, als er im April mit dem Südafrikaner Johnny Clegg im Wembley Stadion beim Konzert Nelson Mandela singt und im Oktober neben Crosby, Stills & Nash, Peter Gabriel und Sinéad O’Connor Amnesty International bei einer Veranstaltung im Nationalstadion von Santiago de Chile unterstützt. Nach eher etwas dünner Präsentation in den 90ern knüpft Browne nun mit The Naked Ride Home an Alben wie The Pretender (1976) oder Running On Empty (1977) an, balanciert lyrisch zwischen Beziehungsproblemen und verständlicher Kritik aktueller US-Politik, während sich soundmäßig, auch dank so hochkarätiger Mitstreiter wie Mark Goldenberg (guitar) und Jeff Young (keyboards), ein Highlight an das andere reiht. Eine gelungene Rückkehr auf noch lange nicht ausgetretene Pfade. (space cap)

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0 = zu kurz eingesetzt
1 = absoluter beginner, fußball-schuhe abgeben
2 = unterliganiveau
3 = ab auf die bank
4 = mehr recht als schlecht
5 = licht & schatten
6 = unterm strich ein plus
7 = ein lichtblick
8 = hut ab
9 = schneckerl, schau' her
10 = solche kicker braucht das land

notenschluessel courtesy of täglich alles.