: best of tv land 2004 :

Inselurlaub mit Eisbären, ein Filz-Vampir und sprechender Souvenirramsch - Genie und Wahnsinn lagen 2004 im US-TV so eng zusammen wie schon lange nicht mehr. Ein äußerst subjektiver Blick zurück von Nicolas Ossberger. (Spoilers all around)

1. Angel

Das (vorläufige) Ende des Buffyverse. Selten zuvor hat eine Show derart von der ungeteilten Aufmerksamkeit ihres Schöpfers profitiert. Nachdem BTVS und Firefly, die einen mehr die anderen weniger freiwillig, ihre Schuldigkeit getan hatten, lag Joss Whedons Hauptaugenmerk voll und ganz auf der finalen Staffel von Angel und Oh Boy! sah man es ihr an. Alte und neue Helden präsentierten alte und neue Posen (Spike!, Andrew! The Immortal!), David Boreanaz wurde zum Plüschtiger, Amy Ackers Schauspielerehre erfuhr eine 180° Wendung. und dann wäre da noch das möglicherweise apokalyptischste Serien-Finale aller Zeiten. Definitiv to good to be on TV.

2. Dead Like Me

Es war einer jener Momente, kurz vor Jahresende, in denen man wieder einmal an der Zurechnungsfähigkeit einiger TV-Execs zweifeln durfte. Denn auch wenn Dead Like Me vielleicht nicht der Quoten- bzw. Paykunden-Bringer schlechthin war, die treue Fanbase konnte man der Show nicht absprechen. Inhaltlich weitaus ausgereifter als noch in Season 1, präsentierte sich die zweite Staffel als fröhlich-sarkastische Dramedy mit Hirn, deren Absetzung völlig aus dem Nichts kam. Weniger Familien-Plot, dafür mehr Characterbuilding und Reaper-Mythologie – alles richtig gemacht und dennoch verloren. Goodbye, Peanut.

3. Wonderfalls

Man kaufe einen Piloten seltsamen Inhalts (weiblicher Slacker, Souvenirshop, das Inventar beginnt aus heiteren Himmel Befehle zu erteilen), produziere 13 Folgen und setzte die Show dann nach nur wenigen Episoden gleich wieder ab. Ja, Fox hat wieder einmal zugeschlagen und eine der hoffnungsvollsten neuen Show stante pede zu Grabe getragen. Entstanden unter den Fittichen von Bryan Fuller ("Dead Like Me") und Tim Minear ("Angel"), hätte sich Wonderfalls, wie kaum eine andere Show 2004, die Chance auf ein wenig mehr Geduld von Seiten des Senders verdient.

4. Arrested Development

Ja, die Sitcom ist tot. Mausetot. Und dann gab's da noch Arrested Development, jenes absolut jenseitige Vergnügen aus der Feder von (huch!) Ron Howard. Ohne Laughtrack, dafür mich Gags weit jenseits des gewohnten Schamgefühls hat sich die Show rund um die dysfunktionierende Bluth-Familie zum absoluten Kritikerliebling der abgelaufenen TV-Saison gemausert. Womit wir auch schon beim Grund wären weshalb die Show überhaupt noch im Programm ist, 5 Emmys und eine aktuelle Golden Globe Nominierung machen es nämlich selbst für Fox schwer eine Serie zu killen.

5. Rescue Me

Denis Leary – love him or hate him. Rescue Me vereint den großen Blonden wieder mit einigen alten Kollegen aus The Job-Zeiten und wer sich da unkorrektes Verhalten en masse erwartet, bekommt es auch. Erfreulicherweise hat die Show jedoch mehr als nur konstant rüdes Benehmen zum Inhalt und bietet so Leary die Gelegenheit auch in schauspielerischer Hinsicht zu glänzen. So blass die Aussicht auf ein New Yorker Feuerwehr-Drama auch war, so schonungslos räumt Rescue Me mit der Post 9/11- Mystifizierung auf.

6. The O.C.

Es bleibt abzuwarten wie sich der fast schon hysterische Hype rund um den Sensationserfolg der ersten Staffel von The O.C. auf die weitere Gestaltung der Show auswirken wird. Was jedoch sicher ist, ist das Creator Josh Schwartz mit Seth Cohen die mit Abstand sympathischste TV-Figur der letzten Season geschaffen hat und sich humortechnisch nicht selten am Buffyverse orientiert. Ein Umstand, der einem selbst über wirklich katastrophale Momente (Oliver....) milde hinweg lächeln lässt. Ein Guilty Pleasure par excellance.

7. Lost

Herrlich beknackt, grellbunt und höchst süchtigmachend. Der nächste Streich aus dem J. J. Abrams-Labor hört auf den Titel Lost und macht von der ersten Minute an keine Gefangenen (Flugzeug-Crash!, Monster!, Psychopathen!). Ähnlich wie bei Alias, steht auch hier der Cliffhanger-Schock-Effekt über allem. Wie gut respektive wie schlecht man eine komplette Show auf solch eine Weise abspulen kann ist Woche für Woche beim deutschsprachigen Rip-Off Verschollen zu begutachten.

8. Scrubs

"I don't really have one ready, but I suppose I could riff a list of things I care as little about as our last week together. Let's see: low-carb diets, Michael Moore, the Republican National Convention, Kabbalah and all Kabbalah related products, high definition TV, the Bush daughters, wireless hot spots, 'The O. C,' the U.N., recycling, getting Punk'd, Danny Gans; the Latin Grammys, the real Grammys, Jeff the Wiggle that sleeps a lot, the Yankees payroll, the red states, the blue states, every hybrid car, every talk show host, everything on the planet, everything in the solar system, and everything that exists, past, present and future in all discovered and undiscovered dimensions. Oh, and Hugh Jackman.". Dr. Cox: Held, Mediziner, Mentor.

9. Without A Trace

Eine Show, die Woche für Woche den Beweis antritt, dass selbst Jerry Bruckheimers Überproduzierungswahn einer hervorragenden Cast nichts anhaben kann. Wo CSI: Miami beispielsweise kläglich scheitert, einer nicht notwendigerweise sympathischen, aber zumindest glaubhaften Leader-Persönlichkeit nämlich, kann Without A Trace mit Anthony LaPaglia aufwarten, ein Bonus der selbst dem ein oder anderen etwas mager ausgefallenen Script einen Hauch von Klasse gibt.

10. Veronica Mars

Buffys Abgang hinterlies 2003 nicht nur im Fanboyland ein großes Loch, sondern auch im TV-Kalender von UPN. Auftritt Veronica Mars: jung, blond, stark, weiblich. Anstelle von Vampiren gibt es das alltägliche Verbrechen, dafür heißt die wahre Hölle nach wie High School. Mord, Vergewaltigung, eine verschwundene Mutter – trotz der oberflächlichen Putzigkeit, verbirgt sich hinter Veronica Mars Welt ein sehr düsterer Kern. Möglicherweise der vielversprechendste Serien-Start 2004, mit einer Hauptdarstellerin die zum Star geboren ist.