Das (vorläufige) Ende des Buffyverse. Selten
zuvor hat eine Show derart von der ungeteilten Aufmerksamkeit ihres Schöpfers
profitiert. Nachdem BTVS und Firefly, die einen mehr die anderen weniger freiwillig,
ihre Schuldigkeit getan hatten, lag Joss Whedons Hauptaugenmerk voll und ganz
auf der finalen Staffel von Angel und Oh Boy! sah man es ihr an. Alte und
neue Helden präsentierten alte und neue Posen (Spike!, Andrew! The Immortal!),
David Boreanaz wurde zum Plüschtiger, Amy Ackers Schauspielerehre erfuhr eine
180° Wendung. und dann wäre da noch das möglicherweise apokalyptischste Serien-Finale
aller Zeiten. Definitiv to good to be on TV.
Es war einer jener Momente, kurz vor Jahresende,
in denen man wieder einmal an der Zurechnungsfähigkeit einiger TV-Execs zweifeln
durfte. Denn auch wenn Dead Like Me vielleicht nicht der Quoten- bzw. Paykunden-Bringer
schlechthin war, die treue Fanbase konnte man der Show nicht absprechen. Inhaltlich
weitaus ausgereifter als noch in Season 1, präsentierte sich die zweite Staffel
als fröhlich-sarkastische Dramedy mit Hirn, deren Absetzung völlig aus dem
Nichts kam. Weniger Familien-Plot, dafür mehr Characterbuilding und Reaper-Mythologie
– alles richtig gemacht und dennoch verloren. Goodbye, Peanut.
Man kaufe einen Piloten seltsamen Inhalts
(weiblicher Slacker, Souvenirshop, das Inventar beginnt aus heiteren Himmel
Befehle zu erteilen), produziere 13 Folgen und setzte die Show dann nach nur
wenigen Episoden gleich wieder ab. Ja, Fox hat wieder einmal zugeschlagen
und eine der hoffnungsvollsten neuen Show stante pede zu Grabe getragen. Entstanden
unter den Fittichen von Bryan Fuller ("Dead Like Me") und Tim Minear ("Angel"),
hätte sich Wonderfalls, wie kaum eine andere Show 2004, die Chance auf
ein wenig mehr Geduld von Seiten des Senders verdient.
Ja, die Sitcom ist tot. Mausetot. Und dann gab's da noch Arrested Development, jenes absolut jenseitige Vergnügen aus der Feder von (huch!) Ron Howard. Ohne Laughtrack, dafür mich Gags weit jenseits des gewohnten Schamgefühls hat sich die Show rund um die dysfunktionierende Bluth-Familie zum absoluten Kritikerliebling der abgelaufenen TV-Saison gemausert. Womit wir auch schon beim Grund wären weshalb die Show überhaupt noch im Programm ist, 5 Emmys und eine aktuelle Golden Globe Nominierung machen es nämlich selbst für Fox schwer eine Serie zu killen.
Denis Leary – love him or hate him. Rescue
Me vereint den großen Blonden wieder mit einigen alten Kollegen aus The Job-Zeiten
und wer sich da unkorrektes Verhalten en masse erwartet, bekommt es auch.
Erfreulicherweise hat die Show jedoch mehr als nur konstant rüdes Benehmen
zum Inhalt und bietet so Leary die Gelegenheit auch in schauspielerischer
Hinsicht zu glänzen. So blass die Aussicht auf ein New Yorker Feuerwehr-Drama
auch war, so schonungslos räumt Rescue Me mit der Post 9/11- Mystifizierung
auf.
Es bleibt abzuwarten wie sich der fast schon
hysterische Hype rund um den Sensationserfolg der ersten Staffel von The O.C.
auf die weitere Gestaltung der Show auswirken wird. Was jedoch sicher ist,
ist das Creator Josh Schwartz mit Seth Cohen die mit Abstand sympathischste
TV-Figur der letzten Season geschaffen hat und sich humortechnisch nicht selten
am Buffyverse orientiert. Ein Umstand, der einem selbst über wirklich katastrophale
Momente (Oliver....) milde hinweg lächeln lässt. Ein Guilty Pleasure par excellance.
Herrlich beknackt, grellbunt und höchst süchtigmachend.
Der nächste Streich aus dem J. J. Abrams-Labor hört auf den Titel Lost und
macht von der ersten Minute an keine Gefangenen (Flugzeug-Crash!, Monster!,
Psychopathen!). Ähnlich wie bei Alias, steht auch hier der Cliffhanger-Schock-Effekt
über allem. Wie gut respektive wie schlecht man eine komplette Show auf solch
eine Weise abspulen kann ist Woche für Woche beim deutschsprachigen Rip-Off
Verschollen zu begutachten.
"I don't really have one ready, but I suppose I could riff a list of things I care as little about as our last week together. Let's see: low-carb diets, Michael Moore, the Republican National Convention, Kabbalah and all Kabbalah related products, high definition TV, the Bush daughters, wireless hot spots, 'The O. C,' the U.N., recycling, getting Punk'd, Danny Gans; the Latin Grammys, the real Grammys, Jeff the Wiggle that sleeps a lot, the Yankees payroll, the red states, the blue states, every hybrid car, every talk show host, everything on the planet, everything in the solar system, and everything that exists, past, present and future in all discovered and undiscovered dimensions. Oh, and Hugh Jackman.". Dr. Cox: Held, Mediziner, Mentor.
Eine Show, die Woche für Woche den Beweis
antritt, dass selbst Jerry Bruckheimers Überproduzierungswahn einer hervorragenden
Cast nichts anhaben kann. Wo CSI: Miami beispielsweise kläglich scheitert,
einer nicht notwendigerweise sympathischen, aber zumindest glaubhaften Leader-Persönlichkeit
nämlich, kann Without A Trace mit Anthony LaPaglia aufwarten, ein Bonus der
selbst dem ein oder anderen etwas mager ausgefallenen Script einen Hauch von
Klasse gibt.
Buffys Abgang hinterlies 2003 nicht nur
im Fanboyland ein großes Loch, sondern auch im TV-Kalender von UPN. Auftritt
Veronica Mars: jung, blond, stark, weiblich. Anstelle von Vampiren gibt es
das alltägliche Verbrechen, dafür heißt die wahre Hölle nach wie High School.
Mord, Vergewaltigung, eine verschwundene Mutter – trotz der oberflächlichen
Putzigkeit, verbirgt sich hinter Veronica Mars Welt ein sehr düsterer Kern.
Möglicherweise der vielversprechendste Serien-Start 2004, mit einer Hauptdarstellerin
die zum Star geboren ist.