V’04

Kein Jahr ohne Neuerungen bei der Viennale. Auch die 42. Auflage des Vienna International Film Festivals hat einige Neuerungen parat, mit welchen Direktor Hans Hurch und sein Team sowohl auf das konstant wachsenden Publikumsinteresse, als auch die aktuellen Strömungen im Weltkino reagieren.

An erster Stelle erwähnt, sollte dabei die für Besucher wohl einschneidendste Änderung im Ablauf des Festivals werden. Nachdem es in der letzten Jahren immer häufiger passierte, dass Filme rasch ausreserviert, danach aber nicht völlig gefüllt waren, hat man sich seitens der Viennale (endlich, möchte man hier hinzufügen) dazu entschlossen, das für viele unfaire System der Internet-Vorbestellung zu stanzen und stattdessen sämtliche verfügbaren Karten sofort in den freien Verkauf gehen zu lassen. Erhältlich sind die Tickets wie gewohnt an den hinlänglich bekannten Vorverkaufsstellen (Stubentor, Generali-Center, Schottentor) und über die A1-Freeline, sowie erstmals auch Online über die offizielle Festivalhomepage.

Nun aber ans Eingemachte, denn auch hier darf man sich 2004 über einige neubeschrittene Wege freuen. Dem Erfolg der letzten Jahre trägt beispielsweise der sogenannte "Viennale Bonus Track" Rechnung, welcher das Geschehen heuer um einen weiteren Tag, den 28. Oktober, verlängern wird. Hierbei wird es sich um ein Potpourri aus frisch eingetroffenem Material welches erst nach Verstreichen der V'04-Deadline greif- und zeigbar geworden ist und den größten Festival-Erfolgen handeln. Eine äußerst plausible Einrichtung, welche es Normalsterblichen ermöglichen wird zuvor ausverkauften Vorführungen doch noch beiwohnen zu können und der Hardcore-Fraktion (Start: 6 Uhr morgens!) eine neue Challenge bietet.

Nicht nur für Freunde der reinen Filmlehre eine Bereicherung, dürfte die ab diesem Jahr zum Standard-Repertoire gehörende neue Schiene "Working Class" sein, eine Reihe deren Hauptanliegen darin besteht den Festivalbesuchern eine Möglichkeit zur Nachbetrachtung und zum Diskurs zu bieten. Im Zentrum sollen dabei drei Lectures stehen, für welche sich bei der Erstauflage der franko-amerikanische Filmemacher und Theoretiker Jean-Pierre Gorin verantwortlich zeichnen wird. Diese Veranstaltungen, denen nebenher bemerkt ein beeindruckend guter Ruf vorauseilt, werden für jedermann, bei freiem Eintritt, zugänglich sein. 

Keine Veränderung hat man beruhigender Weise am altbekannten Gerüst der Viennale vorgenommen, warum auch, erfreut sich das derzeitige Festival-Konzept doch großer Beliebtheit. Wie gewohnt teilt sich das Geschehen auch 2004 wieder in unterschiedliche Blöcke auf. Neben den klassischen Schwerpunkten Hauptprogramm, Kurz- und Dokumentarfilm und Retrospektive, gibt es mit Lauren Bacall und Amos Vogel auch heuer wieder zwei große Tribute-Schwerpunkte. die Special Progams stehen diesmal ganz im Zeichen des japanischen Regisseurs Koreeda Hirokazu, der Filmarchiv-Schiene zu den Werken von Paul Fejos und dem auch im "Working Class"-Segment aktiven Jean-Pierre Gorin. Und nicht vergessen werden darf natürlich die Mitternachtsschiene, welche heuer den Titel Fear East trägt und Raum für Crime, Action und Horror aus Fernost bietet.

Für Informationen zur Organisation, dem Ticketkauf, Partys oder der wieder im Dachgeschoss der Urania beheimateten Viennale Zentrale sei hiermit gerne auf die offizielle Festival-Homepage verwiesen

Nicolas Ossberger