V’04

Kurz- und Dokumentarfilmprogramm

Zu einem der Schwerpunkte der Viennale zählt seit jeher die Dokumentationsfilmschiene. Und das ist auch gut so, denn obwohl man angesichts der Erfolge von Michael Moore und Morgan Spurlock anderes annehmen könnte, geht es dem Genre anno 2004 um nichts besser als in den vergangen Jahren. Kaum mehr eine Produktion schafft es in den regulären Kinovertrieb, weshalb Festivals wie die Viennale oft die einzige Chance auf Einblick in die aktuellen Arbeiten am Sektor darstellen. 

Was schade ist, denn Jahr für Jahr sind es immer wieder die Dokumentationen, welche für Glanzpunkte im Programm sorgen. Auch heuer wieder bietet einem der Katalog eine stattliche Auswahl von über vierzig Filmen an, deren Themenkreise sich von zerrüttelten Musikern aller Art über europäische und lateinamerikanische Gerichtssäle bis hin zum stetig brodelnden Palästina-Konflikt erstrecken. 

Mit außerordentliche Spannung darf man beispielsweise der schon heute sagenumwobenen Metallica-Doku "Some Kind of Monster" entgegen blicken, welche die Herrn Hetfield, Ulrich und Co. in weniger glamourösen Momenten zeigt. Ebenfalls zu sehen werden Filme über Gram Parsons ("Fallen Angel"), die gemeinsamen Kanada-Tour von Janis Joplin & The Greatful Dead ("Festival Express") und Dandy Warholes Frontmann Courtney Taylor ("Dig!") sein.

Gerade aus österreichischer Sicht interessant, ist Yaron Zilbermans "Watermarks", ein berührender Film über die Damenschwimmsektion der Hakoah Vienna, dem erfolgreichsten jüdischen Sportverein vor dem zweiten Weltkrieg. Und auch "Calling Hedy Lamarr" wartet mit heimatlichen Bezug auf, verfolgt Regisseur Georg Misch doch im Laufe von 72 Minuten die Spuren der Wienerin Hedwig Eva Maria Kiesler die in Hollywood der 30er-Jahre zum Megastar wurde, sich danach zurückzog und daraufhin ein der Zeit weit voraus seiendes Raketenabwehrsystem erfand. Klingt obskur, ist es auch.

Ebenfalls mehr als nur einen Blick wert sind die beiden israelischen Produktionen "Checkpoint" und "Ford Transit" mit Schwerpunkt Palästina-Konflikt, Volker Koepps "Dieses Jahr in Czernowitz", der Fortführung seines bezaubernden Werkes "Herr Zwilling und Frau Zuckermann" und Fernando E. Solanas niederschmetternde Aufarbeitung des wirtschaftlichen Untergangs Argentiniens.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Kurzfilmprogramms stehen die Aufführungen der Werke von Bill Morrison, Agnes Varda und Jean Rouch. Weiters zu bewundern wird Thomas Woschitz "Die Josef-Trilogie" sein, sowie vier gestaffelte Kurzfilmpakete, mit Arbeiten aus Thailand, Frankreich, Russland, Ungarn, den USA und zahlreichen weiteren Ländern.

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